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Rettung aus Behältern und engen Räumen: geplant statt improvisiert

Wenn im Behälter etwas passiert, entscheiden Minuten. Warum der Notruf allein nicht reicht und wie eine funktionierende Rettungskette aussieht.

Die unbequeme Wahrheit über den Notruf

Der reflexhafte Plan für den Notfall lautet in vielen Köpfen: 112 anrufen, die Feuerwehr macht das schon. Für Behälter und enge Räume ist dieser Plan gefährlich naiv. Bis eine Feuerwehr eintrifft, sich ein Bild macht, Atemschutz und Höhenrettung aufbaut und in einen unbekannten Behälter vordringt, vergehen im besten Fall viele Minuten, oft deutlich mehr. Ein Mensch ohne Sauerstoff hat diese Zeit nicht: Nach wenigen Minuten beginnen bleibende Hirnschäden, wenig später endet die Rettung als Bergung. Die DGUV Regel 113-004 verlangt deshalb, dass die Rettung vor dem Einstieg organisiert ist, mit eigenen Mitteln, die sofort wirken, und Menschen, die wissen, was zu tun ist. Der Notruf gehört dazu, aber als Teil der Kette, nicht als ganzer Plan.

Rettung beginnt bei der Planung der Befahrung

Ob eine Rettung gelingen kann, wird lange vor dem Ernstfall entschieden: beim Erlaubnisschein. Dort wird festgelegt, wie ein Verunglückter aus genau diesem Behälter herauskommt, mit welchem Gerät, über welche Öffnung, durch wen. Das klingt banal und ist es nicht, denn die Antworten hängen an Details: Ist das Mannloch groß genug für eine liegende Rettung mit angelegtem Geschirr? Gibt es einen tragfähigen Anschlagpunkt über der Öffnung oder braucht es einen Dreibock? Lässt sich der Behälter im Notfall zusätzlich belüften? Wer diese Fragen erst stellt, wenn jemand unten liegt, hat verloren. Deshalb gilt: Eine Befahrung, für die keine durchdachte Rettung existiert, wird nicht freigegeben, so einfach ist die Regel und so oft wird sie in der Praxis gedehnt.

Sicherungsposten mit Rettungsausrüstung am Mannloch während einer Behälterbefahrung
Geschirr, Seil, Anschlagpunkt: Die Rettung von außen funktioniert nur, wenn sie von Anfang an aufgebaut ist.

Rettung von außen: der Königsweg

Die sicherste Rettung ist die, bei der niemand nachsteigen muss. Dafür trägt der Eingestiegene von Anfang an ein Rettungs- oder Auffanggeschirr mit verbundenem Seil, das über einen Anschlagpunkt oder ein Rettungshubgerät geführt wird, bei senkrechten Einstiegen häufig am Dreibock über der Öffnung. Kollabiert der Eingestiegene, kann der Sicherungsposten ihn kontrolliert nach oben bringen, ohne selbst in die gefährliche Atmosphäre zu geraten. Damit das im Ernstfall funktioniert, müssen drei Dinge stimmen: Das Geschirr ist wirklich angelegt und verbunden, nicht nur mitgeführt. Das Hubgerät ist aufgebaut und bedienbar, nicht im Lager. Und der Posten kann die Bedienung im Schlaf, weil er sie geübt hat. Fehlt eines davon, ist die Rettung von außen ein Versprechen auf dem Papier.

Wenn jemand hinein muss: Rettung mit Zugang

Nicht jede Lage lässt sich von außen lösen: verwinkelte Behälter, Einbauten, ein Verunglückter, der nicht am Seil hängt. Dann braucht es Retter, die in den Raum vordringen, und hier gilt die härteste Regel des ganzen Themas: Niemand steigt ungesichert und ohne umluftunabhängigen Atemschutz nach, auch nicht kurz. Die Statistik der Doppelunfälle, bei denen Helfer in derselben Atmosphäre starben wie die, denen sie helfen wollten, ist lang und eindeutig. Geplante Innenrettung heißt: geeignete Atemschutzgeräte griffbereit, dafür taugliche und geübte Personen benannt, und eine Führung von außen, die den Überblick behält. In vielen Betrieben übernimmt diesen Part die Werkfeuerwehr; wo es keine gibt, muss das Rettungskonzept diese Lücke ehrlich schließen statt sie zu beschweigen.

Die Rolle des Sicherungspostens in der Kette

Im Ernstfall ist der Posten der Taktgeber: Er erkennt die Lage als Erster, löst den Alarm aus, startet die Rettung von außen, wo sie vorgesehen ist, weist eintreffende Kräfte ein und dokumentiert später, was geschah. Was er nicht tut, ist selbst einzusteigen, denn dann bricht die Führung der Kette zusammen. Damit er das leisten kann, gehört das Durchspielen des Ernstfalls zu seiner Vorbereitung: Wo ist der Alarmknopf, wen rufe ich in welcher Reihenfolge, wie bediene ich das Hubgerät, was sage ich der Feuerwehr am Tor. Die Aufgaben der Mannlochwache im Normalbetrieb und in der Rettung sind zwei Seiten derselben Rolle.

Üben, üben, üben: die Währung der Rettung

Eine Rettung, die nie geprobt wurde, existiert nicht, sie wird nur behauptet. Ernsthafte Betriebe üben deshalb regelmäßig und realistisch: mit echtem Gewicht am Geschirr, mit dem tatsächlichen Behälter oder einem vergleichbaren Übungsaufbau, mit Stoppuhr. Solche Übungen sind unbequem, weil sie Schwächen gnadenlos offenlegen: das Hubgerät, das klemmt, der Anschlagpunkt, der fehlt, die Minuten, die alles dauert. Aber genau dafür sind sie da, denn jede in der Übung gefundene Schwäche ist eine, die im Ernstfall niemanden mehr das Leben kostet. Wir halten es bei unseren eigenen Leuten genauso und sprechen es offen an, wenn uns bei einem Einsatz ein Rettungskonzept begegnet, das nur auf dem Papier funktioniert.

Häufige Fragen zur Rettung

Reicht es, wenn die Feuerwehr fünf Minuten entfernt ist?

Nein. Auch eine schnelle Feuerwehr braucht nach dem Eintreffen Zeit für Erkundung, Atemschutz und Zugang, und die Anfahrt beginnt erst nach dem Notruf. Für die ersten, entscheidenden Minuten muss die Rettung mit eigenen Mitteln funktionieren, allen voran die Rettung von außen über das Geschirr.

Muss bei jeder Befahrung ein Dreibock stehen?

Nicht zwingend, das Rettungskonzept muss zur Öffnung und zur Lage passen. Bei senkrechten Einstiegen ist ein Hubgerät am Dreibock oder Ausleger der Standard, bei seitlichen Zugängen können andere Mittel sinnvoller sein. Entscheidend ist, dass das gewählte Mittel aufgebaut, geprüft und beherrscht ist.

Wie oft sollte eine Rettungsübung stattfinden?

So oft, dass die Abläufe sitzen, in der Praxis heißt das regelmäßig und zusätzlich vor besonderen Einsätzen, etwa bei ungewöhnlichen Behältern. Wer nur alle paar Jahre übt, übt de facto gar nicht, denn Handgriffe und Besetzungen ändern sich schneller.

Darf der Sicherungsposten zur Rettung einsteigen, wenn er Atemschutz trägt?

Nur wenn das Rettungskonzept genau das vorsieht, er dafür geeignet und ausgebildet ist und die Führung von außen gesichert bleibt, etwa durch eine zweite Person. Der spontane Alleingang bleibt tabu, mit und ohne Maske, weil dann niemand mehr draußen die Kette führt.

Aus der Praxis

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